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Unter den italienischen Gärten des 16. Jahrhunderts nimmt die Villa Lante in Bagnaia nahe Viterbo eine herausragende Stellung ein. Zwar von eher geringen Abmessungen, ist sie nicht bloß ob ihres exzellenten Erhaltungszustands, sondern auch ihrer einzigartigen formalen Qualitäten wie des äußerst komplexen Programms wegen der unbestreitbare Höhepunkt dieser Epoche der Blüte italienischer Gartenkunst.

Die vorliegende Monographie versucht, den Ursachen für die intensive Empfindung von Schönheit nachzugehen , mit der der Besucher des Gartens sich konfrontiert sieht. Schon bald wird deutlich, daß hier neben einer Analyse der Gestalt – hierbei ist insbesondere der äußerst präzise Umgang mit den Mitteln der Zentralperspektive von höchstem Interesse – auch die Bedeutungen der einzelnen Elemente und die Bedeutungs-zusammenhänge einer eingehenden Betrachtung unterzogen werden müssen.

Diese Untersuchung bringt ein elaboriertes Konglomerat aus verschiedenen Zeichen-systemen ans Licht, deren erstaunliche Eigenschaft es zu sein scheint, sich nicht vollständig zur Deckung bringen zu lassen, ja Widersprüchliches geradezu als eine Grundkonstante zu beinhalten.

Von hier aus entfaltet sich ein weites Panorama des späten 16. Jahrhunderts, das von den verschiedenen Gartentypen der späten Renaissance über Philosophie, Antikenrezeption, Wahrnehmung der Natur, Perspektive, Harmonie, Literatur, Theater und Religion bis hin zu Zeitmodellen und -formen die verschlungenen Pfaden der Erkenntnis im Garten in ihren vielschichtigen Bezügen darstellt. Vor diesem Hintergrund erweist sich die Villa Lante, der Garten des gebildeten Kardinals und Inquisitors Francesco Gambara, als ein schwieriger – und vielleicht nicht immer ganz erfolgreicher – Balanceakt zwischen den Traditionen der Renaissance und den Forderungen und Tendenzen der Gegen-reformation, zeigt jedoch gleichzeitig, als eine Art ›Apotheose des Kunstwerks‹, eine überraschende Affinität zu Aktuellem.